Weitere tolle Rennwagen und Rennfahrer

Die Formel II der frühen DDR Rennsportgeschichte
Wir hatten das große Glück, zu einem Fachmann auf dem Gebiet der Renngeschichte Kontakt zu finden. Helmut Tschernoster, langjähriger Flugzeugingenieur und Rennwagenkonstrukteur, Rennhistoriker und Gralshüter technischer Überlieferungen der frühen DDR Rennwagengeschichte organisierte das Treffen einiger erhaltener Exoten aus dem Rennsportanfängen der DDR für unsere Veranstaltung.

Es gab da bereits Formel II Rennwagen, deren Typen, meist Eigenbauten und vor allem ihre Erbauer und Fahrer sollten noch heute Musik in unseren Ohren sein.
Ernst Klodwig aus Aschersleben zählte in den frühen 1950er Jahren neben Paul Greifzu, Rudolf Krause, Edgar Barth, Artur Rosenhammer, Egon Binner, Paul Thiel, Kurt Baum, Heinz Melkus nicht zu vergessen und weiteren Namen zu den besten Rennfahrern der F II der DDR.
Mit seinem BMW-Eigenbau kam Ernst Klodwig bei den nationalen Rennen regelmäßig unter die ersten Drei. 1952 und 1953 nahm er in seinem Eigenbau-BMW am Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring teil. Damit wurde er nach Harry Schell zum zweiten Fahrer, der an einem Lauf zur Automobilweltmeisterschaft mit einem Rennwagen mit Mittelmotor angetreten ist. In beiden Formel-2-Rennen belegte er Plätze im Mittelfeld.
Auch die Rennfahrer Karriere von Rudi Krause beginnt anders als bei vielen Oldtimern, die noch heute über die Straßen rollen, sie steht mit diesem Rennwagen in einer großen Rennfahrergeschichte in Verbindung, die einst in Reichenbach begann. Rudolf Krause, meist nur Rudi genannt, erblickte am 30. März 1907 in Reichenbach das Licht der Welt.
Seine sportlichen Gegner waren damals der 1951 tödlich verunglückte Paul Greifzu, aber auch ein Teil der bereits angeführten Namen und außerdem bekannter Fahrer aus dem anderen Teil Deutschlands, wie Hans Stuck und weitere. Beim Rennen 1951 in Leipzig überschlug sich Krauses Wagen gleich dreimal. Eine tiefe sportliche Geste erfuhr der Reichenbacher 1952, als ihn die Witwe von Paul Greifzu bat, den aufgebauten Wagen ihres Mannes fortan zu lenken. Rudi Krause war überglücklich, denn sein eigener Wagen konnte mit der starken Konkurrenz ohnehin nicht mehr mithalten. Zahlreiche Siege fuhr Rudi Krause im Greifzu Wagen nach Hause. Ab 1954 wurden Formel-II-Rennen nur noch in der DDR ausgetragen. Es war auch das Jahr, in dem Krause seine Rennlaufbahn beendete, um sich fortan der Werkstatt und seiner Familie zu widmen.
Am Ende einer beeindruckenden Rennfahrerlaufbahn stehen 77 erste Plätze, 32 zweite, 26 dritte, 11 vierte und sieben fünfte Platzierungen. 22 Mal fuhr Rudi Krause Tagesbestzeit, 25 Strecken- und 55 Rundenrekorde stellte er auf. Zweimal gewann Krause die Meisterschaften und viermal wurde er Vizemeister. Zweimal fuhr der Pilot Formel-I-Rennen und hat sich so in die Liste aller deutscher Formel-I-Grand-Prix-Piloten eingereiht. Am 11. April 1987 starb Rennfahrer Rudolf Krause in seiner Geburtsstadt Reichenbach.

Zusammengestellt von Jürgen Kießlich, Bilder Tschernoster und Kießlich


Kurt Baum Formel II BMW – Menke
Kurt Baum baute in den 50er Jahren mehrere Rennwagen. Neben den ausgestellten F II-Wagen entstanden auch 1100er Sportwagen. Durch seine Bindungen zur Luftfahrt beschäftigte er sich auch mit den aerodynamischen Problemen bei Rennfahrzeugen und betrieb auch einen eigenen Windkanal.

Um auch Kinder für den Motorsport zu begeistern baute Kurt Baum nach dem Vorbild des F II-Wagens Kinderrennwagen mit Benzinmotor?
Neben dem Einsatz des eigenen F II-Wagens fuhr Kurt Baum auch Rennwagen des Rennkollektivs Eisenbach.

Kurt Baum-Formel II BMW-Fotoquelle-Tschernoster (Mittel)

 

Reif-Krause Formel II – Löffler
Dieser Wagen entstand nach Plänen des Ing. Reif in Chemnitz mit fachlicher Unterstützung von Rudi Krause. Die Karosserie zeichnete Hufnagel aus Eisenach. Es entstanden mehrere ähnelnde Rennwagen, die auch in den Westen Deutschlands exportiert wurden. Mittelsmann war Helmut Niedermayer aus Westberlin.

Rudi Krause war ein sehr erfahrener und technisch versierter Rennfahrer auf Motorrad und Auto. Beim 1. Nachkriegsrennen im August 1949 in Stralsund fuhr Rudi Krause eine der sehr seltenen  250 cm³ DKW-Ladepumpenrennmaschine. Der Wagen befindet sich in Familienbesitz.

 

Klodwig Formel II – Körner
Dieser Wagen ist ein absolutes Unikat. In der DDR lief er unter der Bezeichnung Klodwig-Heckrennwagen. Es ist aber ein Mittelmotorrennwagen. Pate stand ein Spielzeugrennwagen der Auto-Union seiner Söhne Ralf und Harro. Die Radaufhängungen entstammen einem VW-Schwimmwagen.

Klodwig fuhr bei vielen Rennen auch im Westen Deutschlands wie z. B. beim Hamburger Stadtparkrennen, auf dem Grenzlandring und weiteren. 1953 war er bester Deutscher auf dem Nürburgring.
Nachdem Klodwig in den Westen ging fristete der Wagen im Garten eines Spediteurs seines Daseins.
Der heutige Besitzer, Kfz-Ingenieur und Meister Bernd Körner, kaufte ihn als Schüler von seinem Taschengeldersparnissen dem Spediteur ab. Er befindet sich z. Zt. in der Restaurierung.

Klodwig

 

TR-Spider – Tschernoster
Auch dieser Wagen ist ein Unikat. Es ist der einzige in Monocoque-Bauweise entstandene Rennsportwagen der DDR. Die „westliche“ Motorbestückung hat ihre Berechtigung, da Bulgarien als sozialistisches Land den französischen Sportwagen Alpine mit diesem Motor in Lizenz baute.

Durch besondere Umstände blieb er vollkommen Original erhalten – nur ein teilweise herabgestürztes Dach und Witterung hatten tiefe Spuren hinterlassen.
Der Wiederaufbau erfolgte durch den Besitzer und Konstrukteur des Wagens. Sein Einsatz erfolgte von 2004 bis 2010 durch den Sohn des Besitzers.

Erfolge:    Sieger Classic-Cup 2005
Sieger Classic-Cup 200
Sieger Lückendorf 2005 u. 2006
Tagesschnellster Tübingen 2006
Teilnahme Historische Interserie

Das Fahrzeug befindet sich in Familienbesitz.

Jan-Helmut Tschernoster-Quelle-Tschernoster privat (Mittel)

Bilder: Helmut Tschernoster

  Heinz Siegert war der letzte DDR Meister in der Formel Easter

 Heinz Siegert wurde 1950 in Meißen geboren und lebte später in Leipzig. Als Jugendlicher erlernte er den Traumberuf als Kraftfahrzeugmechaniker, wurde später Meister und auch Sachverständiger.
Der Autorennsport prägte sein Leben bis heute noch. 1976 begann er seine ersten Versuche im Rennsport im Formelrennwagen der Gruppe E. Bereits 1977 errang er als DDR Bester (wie heute B-Lizenz) den Pokal des ADMV in der Leistungsklasse II. Es folgte der Aufstieg in die LK I und bis 1980 erfolgreiche Teilnahme in dieser obersten Liga des Autorennsports der DDR. 1980 erfolgte seine Nominierung in die Nationalmannschaft im Straßenrennsport und damit die Erteilung der Internationalen Fahrerlizenz.
Ab hier begann ein ständiger Aufstieg mit vielen Podestplätzen national und international. 1989 war ein sehr schöner Erfolg der Sieg im Saisonfinale der Formel Easter in Hockenheim und im gleichen Jahr der Meistertitel in der Formel Easter.
Ab 1990 startete er in verschiedenen Serien auf Porsche, Ford und BMW erfolgreich. Ab 1999 wurde er in den Historischen Meisterschaften sesshaft und errang zahlreiche Siege und Meistertitel.
DAS“ Fahrzeug über viele Jahre im harten Renneinsatz und dann auch in der Historie Haigo war und ist auch noch der MT 77. SRG MT 77 ist die Bezeichnung für eine DDR-Rennwagen-Konstruktion aus den 1970er Jahren. Der Namensbestandteil SRG steht dabei für „Sozialistische Renngemeinschaft“, MT für die Konstrukteure Ulli Melkus und Hartmut Thaßler und 77 für das Erscheinungsjahr. Gefertigt wurden die Rennwagen von Melkus in Dresden. Die Aerodynamik der Karosserie war für seine Zeit und die vorhandenen Mittel und Möglichkeiten in der damaligen DDR nahezu revolutionär. Der Rennwagen war bis zum Erscheinen der sowjetischen Estonia-Renner 1986 das Maß der Dinge im osteuropäischen Formel-Rennsport. Antriebsbasis war der getunte und auf ca. 140 PS gebrachte Motor des Lada 1300. Das Getriebe stammte vom Wartburg 311.
Der MT 77 gewann seit seinem Erscheinen fast alle DDR-Meistertitel und mehrfach den Pokal für Frieden und Freundschaft der Sozialistischen Länder. 2006 erkämpfte Heinz Siegert den 1. Platz im „Ulli Melkus Pokal“, man sollte meinen, dass dieser Erfolg besonders emotionale Erinnerungen weckte.

Text und Fotos Jürgen Kießlich

Heinz Rosner, Werksfahrer in Zschopau

Heinz Rosner ist Jahrgang 1939 und wird am 14. Januar in Hundshübel im Erzgebirge geboren. Sein Vater betreibt dort eine Werkstatt zur Instandsetzung von Kraftfahrzeugen, sowie eine Tankstelle. Aber wie es so kommt, Sohn Heinz erhält eine Lehrstelle bei der SDAG Wismut und wird zum Kraftfahrzeugmechaniker ausgebildet. Hier geschieht es auch, durch den Kontakt mit Werner Voigt beginnt ein Intermezzo im Automobil – Rallyesport, ein Wartburg 311 wird als Rallyeauto aufgemöbelt und es geht auf vier Rädern zur Sache.
An einer alten Dreigang IFA wird über ein Jahr gebastelt und es entsteht daraus eine Straßenrennmaschine. Zum Rennauftakt 1958 steht Heinz Rosner mit seinem Eigenbau auf der Halle – Saale – Schleife und es langt beim Debüt immerhin für den 7. Platz, wenig später geht es in das Scheibenholz nach Leipzig zum „Stadtparkrennen“ und das Ergebnis ist schon ein 5. Platz. Walter Kaaden von der Zschopauer Rennabteilung wird auf den jungen Nachwuchsfahrer aufmerksam und gibt ihm für die weitere Saison einen Drehschiebermotor. Bis Ende 1959 geht Heinz Rosner immerhin vierzehnmal an den Start und steht davon zehnmal auf dem Treppchen, diese Bilanz kann sich sehen lassen, in Bernau bekommt er in der Achtelliterklasse den Kranz als Sieger umgehangen. Kaaden setzt ihn noch 1959 zur Probe auf eine 250er Maschine zu einem Trainingsrennen und Heinz Rosner kommt mit dem größeren Motorrad auf Anhieb zu recht, so gut, dass er das gesamte Feld zweimal überrundet. Diese Leistungen lassen ihn für 1960 in die Lizenzklasse aufrücken.
1963 kämpft er mit Laszlo Szabo in Schleiz erbittert um die Führung und kurz vor Rennende wirft ihn ein  Zündungsproblem aus dem Rennen. Vorher gibt es noch eine Reihe wichtiger Daten, bereits im Mai 1960 darf er mit dem Werksteam beim „Großen Preis von Finnland“ starten und das ist es dann auch erst einmal, aufgrund einer unbedachten Äußerung kommt er in den Verdacht der Republikflucht und muss sich erst wieder einmal mit privaten Einsätzen behelfen. Das war eine kleine Einführung in die Laufbahn eines großen Talentes, wer mehr davon wissen möchte, sollte sein Buch lesen.
Noch einen kurzen Blick auf seine Grand Bilanz.
Die stolze Bilanz von 29 Podestplätzen bei Weltmeisterschaftsläufen kann er in seiner Laufbahn vorweisen, aber niemals langte es zum obersten Platz auf dem Podest, zu oft wurde er aufgrund technischer Mängel eingebremst. Trotzdem zählt er mit dieser Bilanz zu den wirklich ganz großen Fahrern in diesem Sport. Das beste Saisonergebnis ist 1968 mit dem 4. Platz in der Weltmeisterschaft der 125er und 350 cm³ Klasse. Bei den 250ern ist die Bilanz wesentlich besser, mit insgesamt  7 zweiten und 6 dritten Plätzen erkämpft er sich beachtliche Erfolge und krönt seine Laufbahn mit dem 3. Platz hinter Phil Read und Bill Ivy.

Text und Fotos Jürgen Kießlich

Ende der Karriere von Johannes Kehrer, nach dem Finale zur Tschechischen Meisterschaft wird der Helm an den Nagel gehängt

Nun ist es offiziell: Rennfahrer Johannes Kehrer sagt dem aktiven Rennsport Adieu. Drei Stationen sind es noch bis zum Finale in der Tschechischen Meisterschaft am 12. Juli in Rodvanice. „Die Saison 2014 soll mein endgültiger Abschied vom Rennsport sein“, sagt Johannes Kehrer, der in diesem Jahr 65 Jahre alt wird. Seit 2007 hat der Supermono-Pilot die Siege und Titel in der Tschechischen Meisterschaft so gut wie abonniert. „Mitunter fragen mich Leute, in welcher Classic-Klasse ich starte – und sind dann völlig überrascht, dass man in diesem Alter noch in einer konventionellen Klasse fährt“, so der Hohndorfer, der bereits 1998 seinen Rücktritt beschlossen hatte, jedoch 2003 quasi vom Rücktritt zurücktrat, nachdem er bei einer Testfahrt in Most von Insidern davon überzeugt wurde. Mit einem Bergrennen im Jahr 1967 in Stollberg, startete Johannes Kehrer seine nationale und internationale Karriere. Sein größter Erfolg ist 1986 der Titel des DDR-Meisters (Klasse bis 250ccm, 2 Zylinder). Kehrer ist der einzige Deutsche überhaupt, der dies in der Geschichte dieses Wettbewerbes geschafft hat. Vier Jahre später holte er erneut den Titel, allerdings in der 500er Klasse. Auch bei der legendären Rennsportveranstaltung, der „TT“ auf der Isle of Man, konnte der Diplomingenieur für Maschinenbau, der bis 2005 bei MZ an Serien und Rennsportprojekten mitarbeitete, mehrere Male punkten, unter anderem in den Jahren 1996 und 1997 mit Platz 4. Über den Saisonhöhepunkt Horice am 17. Mai erklärte der Projektleiter einer Maschinenbaufirma: „Das ist meine Lieblingsstrecke und jedes Jahr ein Zuschauermagnet“, so das Mitglied im MC MZ Zschopau. Und Johannes Kehrer hat sich vorgenommen: „Die Meisterschaft will ich zum Abschluss meiner Karriere noch einmal gewinnen.“ Zuvor findet der Auftakt in der Tschechischen Meisterschaft in Stare Mesto am kommenden Wochenende (4. Mai) statt. So geschrieben in „Blick“ am 30.04.2014.
Unterdessen hat er mit Sohn Nico die Rollen getauscht – vom Fahrer zum Schrauber. Aber trotzdem bleibt uns Johannes Kehrer bei verschiedenen, karätigen Classic Veranstaltungen mit seiner sauberen und beherzten Fahrlinie erhalten. Dazu „Hals- und Beinbruch“ bei unserer Veranstaltung.

Zusammengestellt von Jürgen Kießlich, Fotos von Dietmar Augustin